Können Gamaschen dem Pferd schaden?

Diese Frage beschäftigt viele Pferdebesitzer. Die ehrliche Antwort: Richtig eingesetzt nein – falsch angewendet durchaus. Was wirklich passiert und wie du es vermeidest, erfährst du hier.

Was sagen Studien dazu?

Gamaschen geraten immer wieder in die Kritik. Wissenschaftliche Untersuchungen der Tierärztlichen Hochschulen Hannover und München haben gezeigt dass zu eng anliegende Gamaschen den Lymphfluss im Pferdebein beeinträchtigen können. Stoffwechselprodukte können nicht mehr abfließen, das Gewebe wird schlechter versorgt.

Ein zweites Problem: Hitzestau. Unter Gamaschen – besonders aus Neopren – kann sich Wärme stauen. Veterinärmedizinische Fachärzte warnen: Überhitzte Sehnen verlieren an Leistungsfähigkeit. In extremen Fällen entstehen Mikroläsionen im Sehnengewebe – unsichtbare Schäden die sich erst später zeigen.

Das bedeutet aber nicht dass Gamaschen grundsätzlich schädlich sind. Es kommt auf Material, Passform und Tragedauer an.


Wann können Gamaschen schaden?

Zu eng angelegt

Zu fest geschlossene Gamaschen schnüren Blut- und Lymphfluss ab. Das Ergebnis: angelaufene Beine, schlechte Durchblutung, im schlimmsten Fall Gewebeschäden. Die Faustregel: Zwei Finger sollten flach unter den Verschluss passen.

Zu lange getragen

Gamaschen als Schlagschutz im Training sind für die Dauer des Trainings gedacht – nicht länger. Über Nacht oder stundenlang in der Box beeinträchtigen sie den Lymphfluss nachweislich. Ausnahmen sind Therapie- und Stallgamaschen die speziell dafür ausgelegt sind.

Falsches Material im Sommer

Neopren-Gamaschen isolieren Wärme besonders stark. Im Sommer oder bei intensivem Training erhöht sich dadurch das Risiko eines Hitzestaus deutlich. Atmungsaktive Materialien wie Mesh oder Lammfell sind hier die bessere Wahl.

Schmutz unter der Gamasche

Sand und Dreck unter der Gamasche scheuern bei jeder Bewegung auf die Haut. Das verursacht Wunden und Haarausfall – oft erst nach mehreren Trainingseinheiten sichtbar.

Dauerhaft auf der Weide

Auf der Weide ohne Aufsicht sind Gamaschen ein Risiko. Verrutschte Verschlüsse, feuchtes Material und Schmutz können innerhalb kurzer Zeit Scheuerstellen verursachen die schlimmer sind als die Verletzung die man verhindern wollte.


Wann sind Gamaschen unbedenklich?

Richtig eingesetzt schützen Gamaschen das Pferdebein zuverlässig vor Schlag- und Trittverletzungen. Das gilt besonders beim Springen, bei jungen Pferden die noch unkoordiniert laufen, und bei Pferden die zum Streifen neigen.

Unbedenklich wenn:
✅ Atmungsaktives Material verwendet wird
✅ Die Passform stimmt – nicht zu eng, nicht zu locker
✅ Das Bein vorher sauber ist
✅ Die Gamasche direkt nach dem Training abgenommen wird
✅ Kein dauerhaftes Tragen auf der Weide ohne Aufsicht

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Häufige Fragen

Sind Neopren-Gamaschen schädlich?

Nicht grundsätzlich – aber bei intensivem Training oder im Sommer erhöhen sie das Risiko eines Hitzestaus deutlich. Wer viel reitet oder bei Wärme trainiert ist mit atmungsaktiven Materialien besser beraten.

Wie lange darf das Pferd Gamaschen tragen?

Nur so lange wie nötig – also die Dauer des Trainings. Danach sofort abnehmen. Über Nacht oder in der Box sind normale Trainingsgamaschen nicht geeignet.

Mein Pferd hat weiße Haare am Röhrbein – woher kommt das?

Weiße Haare an den Röhrbeinen entstehen oft durch zu eng angelegte Gamaschen oder Bandagen die das Gewebe dauerhaft einschnüren. Das Gewebe stirbt lokal ab und nachwachsende Haare sind weiß. Ein Zeichen das man ernst nehmen sollte.

Können Gamaschen Sehnenschäden verursachen?

Direkt nein – indirekt möglich. Durch Hitzestau unter nicht-atmungsaktiven Materialien kann die Sehnentemperatur steigen. Veterinärmediziner warnen: Überhitzte Sehnen verlieren an Belastbarkeit und werden anfälliger für Verletzungen.

Fazit

Gamaschen können schaden – müssen aber nicht. Der entscheidende Unterschied liegt in Material, Passform und Tragedauer. Wer auf atmungsaktive Modelle setzt, die Gamasche korrekt anlegt und direkt nach dem Training abnimmt, schützt sein Pferd zuverlässig ohne Risiko.